Gender-Gaga

Ein Selbstversuch.

Sprache ist wichtig! Sprache richtig anwenden ist wichtig. Aktuell wird man schon fast gelyncht, wenn man darauf aufmerksam macht, dass man Sprache gendern sollte. Warum? Warum soll man an jahrelangen Ausdrücken, feststehenden Begriffen und allgemeingültiger Umgangssprache etwas ändern?

Weil Sprache verletzten kann. Weil Sprache ausschließen kann. Weil Sprache differenziert. Weil Sprache fokussiert. Weil Sprache sensibilisiert. …

„Das haben wir schon immer so gesagt.“ „Frauen sind mitgemeint.“ “ Das stört mich nicht.“

Für unser Portal suchen wir gerade die richtige Umsetzung, was ehrlich nicht so einfach ist. Wir haben den Anspruch, dass ein schönes Schriftbild wiedergegeben wird, dass Software für Sehbehinderte gut übersetzt ohne zu holpern, Lesbarkeit … Ebenso sind manche Begriffe oder vor allem Berufsbezeichnungen nicht einfach mit einem Sternchen oder dem Binnen-I zu lösen, z.B. bei Architekten und Architektinnen.
Die erarbeitete Vorlage der Stadtverwaltung gibt Ratschläge, wie man Sprache Gender gerecht einsetzt, aber hier holpere ich über den Hinweis „Frauen sind mitgemeint„. Grundsätzlich möchte ich als Frau weder über eine Quote noch über gendergerechte Sprache wahrgenommen werden. Sondern als gleichberechtigtes Individuum. Was ich ebenso erwarte bei aller menschlicher Vielfalt!
Ich finde es bedenklich, dass man sagt „Die Behinderte …“ oder „Der Migrant …“, „Der schwule Außenminister …“, „Die transsexuelle Beigeordnete …“ – wozu ist das nötig?


Heute gab es Facebook in einer lokalen Gruppe eine Diskussion über einen Mann mit ausländischem Akzent. Die Threadgeberin hatte diese Info für wichtig erachtet, es gab Fragen, warum und das ebenso schnelle Reagieren a la „ich bin kein Nazi“sowie der Unmut über unnütze Diskussion.
Warum ich mich dagegen ausgesprochen habe? Es bringt für den Inhalt der Information (da sucht jemand im Müll) keinen ermesslichen Mehrwert. Es ist schlicht unerheblich, ob der Mann fließend oder gebrochen Deutsch spricht. (Tatsache ist, der Ärmste muss im Müll nach Verwertbaren suchen.)

Mir wurde heute von einem Deutschen der Platz im Bus weggenommen. Er hat sich einfach hingesetzt, obwohl ich dort sitzen wollte. Ich meine nur, weil es doch so viele Vergewaltigungen gibt. Ich erwarte, dass Männern der Zugang zum Bus verweigert wird.“ Völlig überzogen? Nein, leider hat diese Art der Pauschalisierung bereits einen festen Bestandteil auch in der medialen Berichterstattung befunden. Man muss nicht unbedingt BILD lesen, um sich emotional verblöden zu lassen.


Letztens auf irgendeiner Bühne. Eine Frau:“Ich habe meine Tänzer mitgebracht.“ Acht Frauen. FRAUEN!


Das macht Sprache mit uns! Sie verändert unsere Verhaltensweisen. Das ist gut so. Wenn man es richtig macht. Deswegen ist es wichtig, dass man Sprache, Ansprache, richtig verwendet. Dass das nicht immer leicht ist, merken in der Umsetzung alle, die sich darum bemühen. Das ist mühselig, das benötigt kreative Lösungen. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass es sich lohnt!

Um das auch anderen mal klar zu machen, habe ich mir vorgenommen, dass ich ab jetzt im privaten Bereich ausschließlich die weibliche Form nutze. Männer sind mitgemeint. Wir lange ich das aushalte und ob ich es überhaupt schaffe, wird sich zeigen. Steigern möchte ich das Ganze noch, indem ich zusätzlich vermehrt verallgemeinere. Liebe Leserinnen, liebe Tänzerinnen, liebe Träumerinnen dieser Erde, lasst uns Sprache als hilfreiches Werkzeug einsetzen.

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