ARTventskalender 2021

Willkommen im ARTvent!

Wisst ihr noch, in eurer Kindheit, als die Adventszeit begann? Vorfreude, Plätzchenduft, Heimlichkeiten, Gedichte und Gesang … Es wurde gebastelt und die Wangen leuchteten. Ich erinnere mich an herrliche Sonnenuntergänge, wie wir sie auch jetzt haben, mit wundervollen Farbspielen. Meine Oma sagte dazu immer: „Die Engelchen backen (Weihnachtsplätzchen).“ Etwas, was sich für immer in meine Erinnerung gebrannt hat. So auch Weihnachtslieder, wie etwas „Wir sagen euch an den lieben Advent“ …
Genau das möchte ich hier auch tun. Aber eben auf künstlerische und – was mir besonders wichtig ist – soziale Art.

Man sagt Weihnachten sei das Fest der Liebe. Und die – die Liebe – darf man verschenken. Das muss nicht teuer sein oder wertvoll im Sinne von Kommerz.

Hoffnung

Ich möchte Hoffnung und Möglichkeiten verschenken. In jeder Religion gibt es den Grundsatz, dass man sich für Arme und Hilfsbedürftige einsetzt. Das ist das für mich Wichtigste am Glauben, zumindest der Versuch, anderen etwas zu ermöglichen, was sie sich nicht leisten können, wozu es auf Grund der Lebensumständen nicht reicht. Deshalb möchte ich hier nicht nur Christen ansprechen, sondern jede*n mit einem Herz für Menschen in Notlagen oder mit Hilfsbedürftigkeit.

Somit stelle ich hier jeden Tag eines meiner kleinen Kunstwerke ein, die ich unter allen, die dazu hier oder in den Sozialen Netzwerken kommentieren und teilnehmen wollen, verlosen werde. Zusätzlich – und das ist der Sinn hinter meinem ARTventskalender – veröffentliche ich an dieser Stelle Projekte, Einrichtungen und andere Gelegenheiten um für Hilfsbedürftige zu spenden.

Licht der Hoffnung

Sei auch du dabei. Entzünde ein Licht der Hoffnung für Menschen ohne Heimat, Kinder ohne Eltern, Menschen ohne festen Wohnsitz, Projekte, die Menschen aus Not retten, gerne auch für Tiere in Not oder Projekte zum Erhalt unserer Umwelt, ohne die wir keine Lebensbasis hätten. Gib nur, wenn du kannst, was du kannst oder verteile gerne meines ausgesuchten Links in die Sozialen Netzwerken. Freude ist etwas, was sich vermehrt, wenn man sie teilt.

Auch ich werde mit gutem Beispiel vorangehen. Schon im letzten Jahr habe ich auf meinen Adventskalender verzichtet. Wir haben immer üppig eingekauft und kleine Geschenke aus Süßem oder mehr oder weniger Nützlichem verpackt. Für jedes meiner beiden Kinder selbstverständlich, und einen Kalender von beiden für mich. Im letzten Jahr habe ich darum gebeten, mir keinen zu schenken. Dafür habe ich die Gesamtsumme, die wir gemeinsam dafür ausgegeben haben bzw. hätten, an einen Hilfsorganisation gespendet. Das werde ich auch in diesem Jahr wieder so machen. Nur doppelt, denn dieses Jahr wird es hier keinen selbstgefüllten oder gekauften Adventskalender geben.

Freut euch also auf den 1.12.2021 mit dem mein ARTventskalender startet.

Herzliche Grüße

Manuela

Angebote Frauenkulturtage 2022

Jetzt wird geplant. Natürlich werde ich, werden Frauen aus dem KreativQuartier Herten bei den Frauenkulturtagen 2022 kreativ mitwirken.

Mit gleich drei Ideen sind wir am Start:

  • Feministische Märchen
  • Frauenvorbilder
  • Fat Bottom Girls

Feministische Märchen

Als ich vor Jahren für die Sparkasse Vest Recklinghausen arbeiten durfte, wurde unter anderem die Gestaltung des Plakats, Eintrittskarten und des Programms von mir übernommen. Hintergrund war ein Event, den die Sparkasse sponserte. In ein schickes Hotel in Recklinghausen lud man ein, um einen Kulinarisch-Künstlerischen Abend zu verbringen. Thema war Scheherazade mit den Märchen aus 1001 Nacht. Es gab ein mehrgängiges orientalische Menü, währenddessen ein Pianist zauberhafte Töne spielt. In den Essens freien Zeiten wurde aus Scheherazade vorgelesen. Es hat mich sehr beeindruckt, ich habe viel Gefallen an dieser Art der Kultur gefunden. Auch das Thema gefiel mir, ich denke oft daran zurück.

Nun sind die allermeisten Märchen, egal ob aus dem arabischen Raum mit 1001 Nacht oder die gesammelte Werke der Brüder Grimm sehr Männer lastig. Frauen müssen ihren Traumprinzen finden, werden wachgeküsst, müssen hart arbeiten und nur durch einen Trick treffen sie auf Glück, ihre Befreiung. Ich kenne kein Märchen, in dem ein Mädchen oder eine Frau die Heldin ist, eher ist es die böse Stiefmutter oder die Hexe. Die kleine Meerjungfrau von Hanns Christian Andersen? Ich liebe es, aber nope – sie muss sich verbiegen für ihren Traummann, der dann aber doch eine andere nimmt. Shit happens. Viel zu oft.

Lesung und kulinarisches Erlebnis

Das wollen wir ändern! Hierzu lade ich interessiere Frauen und Mädchen ein, Märchen umzuschreiben. Feministische Heldinnen zu schaffen, sie aus der Rolle der wartenden Jungfrau herauszuholen, sie Abenteuer erlebt zu lassen, eine Botschaft vermittelnd. Diese umgeschriebenen Märchen werden dann zu einem Termin im März während der Frauenkulturtage 2022 vorgetragen.

Wie z.B. meine Froschkönigin, die hier zu neuem Leben erwachen wird …

Frauenvorbilder

Mit Frauen aus dem Frauenhaus sollten diese Bilder schon entstehen, Corona kam dazwischen, das Projekt konnte leider nicht stattfinden. Nun möchte ich es jedoch aufgreifen und lade Frauen und Mädchen ein, mit Hilfe der Bildenen Kunst ihre weiblichen Heldinnen auf die Leinwand zu bringen. Es können reine Malereien, Zeichnungen oder Collagen, MixedMedia-Werke entstehen – ganz nach Vorliebe der Teilnehmer:innen.

Heldinnen und Vorbilder, das sind nicht immer nur bekannte Persönlichkeiten, die uns imponieren. Die Oma, Mutter, die Nachbarin, der Frau vom Kiosk, die Kindheitsfreundin oder auch eine ausgedachte Persönlichkeit darf die Rolle des weiblichen Vorbilds übernehmen.

Ausstellung


Die Werke sollen dann entweder zur Lesung der feministischen Märchen oder vielleicht auch dem Höhepunkt der Frauenkulturtage, dem Frauenfest, ausgestellt werden. Danach ist geplant, dass sie wahrscheinlich im Demokratiefenster der Allgemeinheit zur Schau stehen.

Fat Bottom Girls

Ich liebe Queen. Ich mag den Song Fat Bottom Girls, den Queen u.a. auf ihrer Greatest Hits veröffentlich habe. Ich bin ein Fat Bottom Girl (women passt vom Alter eher) und ich liebe es zu tanzen! Was also liegt näher, als den Wunsch zu hegen, daraus einen schöne Choreografie entstehen zu lassen?

Dieses Angebot zieht vor allem auf Mädchen und Frauen aus, die mitunter mit Vorurteilen bezüglich ihres Gewichtes zu kämpfen haben. Mit dieser Tanzvorstellung möchte ich zeigen, dass auch in Fat Bottom Girls ganz viel Power und Sportlichkeit liegen. Und damit Vorurteile abbauen. Es wird wunderbar!

Tanzaufführung

Aufgeführt wird die Choreografie dann wahrscheinlich zum Termin des Frauen-Sportfests.

Das Programm ist beinahe fertig, die Deadline für die letzten Ideen ist auf Ende November 2021 gesetzt. Wer noch mit einer guten Sache als Veranstalterin teilnehmen möchte, darf sich im Kulturbüro der Stadt Herten oder bei unserer Gleichstellungsbeauftragten melden. Es wird wie immer kunterbunt gemischt sein mit Angeboten zu Kultur, Kunst, Wanderungen, Wellness & Sport, (politischer) Bildung und vielem mehr.

Die Frauenkulturtage finden immer März statt. Beginn ist der Weltfrauentag am 08.03.2022.

Der Gemeine Waldschrat

Der Wald liegt ruhig da. Viele Bäume unterschiedlicher Art stehen dicht an dicht beisammen. Hier und da eine kleine Lichtung. Fröhliches Vogelgezwitscher ist zu hören. Au dem Waldboden wachsen Farbe und Moose und allerlei Waldkräuter. Hier und da ein paar Beeren.

Es ist Sommer. Der Wald ist lichtdurchflutet. Die Vögel haben ihre erste Brut bereits aufgezogen. Die Jungen sind flügge und bevölkern die Äste der Bäume und Sträucher. Schon liegen neue Eiern in den Nestern. Sie werden sorgfältig gebrütet. Bald schon schlüpfen die Küken.

Wo der Wald am tiefsten und am dunkelsten ist, wohnt der Gemeine Waldschrat. Viele Geschichten erzählen über ihn. Sie

Gemeiner Waldschrat

Philosophischer Rundgang

Urlaubstage kann man auch zu Hause kreativ bzw. kulturell begehen. Wenn man sich ein wenig umschaut, findet man gute Angebote oder kann selbst eine KulTour planen.


Ich habe ein Angebot der VHS Herten angenommen, einen Philosophischen Rundgang durch mein Heimatstädtchen Herten. Zusammen mit einigen Frauen und einem Mann wurden wir von Skulptur zu Skulptur durch die Innenstadt geführt. Selbstverständlich sind uns diese Kunstwerke bekannt, alltäglich bewegen wir uns an ihnen vorbei, sitzen in Sichtweite oder haben auch schon die ein oder andere Veranstaltung in direkter Umgebung mitgemacht.

Block auf die Frontseite des Rathauses in Herten, brauner backsteinähnliche Fassade, Fenster in drei Reihen, rechts der vorgezogenen Eingangsbereich mit der Wendeltreppe. Die Uhr geht seit Jahren falsch. Blauer Himmel mit ein pass Wolken, man kann den Sonnenschein sehen.
Rathaus der Stadt Herten / Frontansicht


Aber wenn man ehrlich ist, ist das eher beiläufig, kaum nimmt man sich die Zeit um sich die Skulpturen genauer anzusehen oder etwas über sie zu erfahren.
Leider sind auch nicht an allen Kunstwerken Tafeln angebracht, die Hinweise zur Künstler:in, dem Kunstwerk und der Wahl des Standortes nachzulesen wären.

Auch ist das Begehen in einer Gruppe und die aus der Sichtung der Kunstwerke entstehenden Gespräche eine weitere Bereicherung. Und genau darum ging es bei diesem Philosophischen Rundgang. Es entwickelten sich tolle Gespräche zu den Kunstwerken selbst, der Standortwahl, der Umgebung, der Integration im Stadtbild …

Auf der Schwelle zur Kunst

Wir starteten am Rathaus, wo auch schon die ersten beiden Kunstwerke platziert sind. Vor dem Rathaus selbst die Bodenflügel als Pforte in den Schloßpark. Und schräg gegenüber, auf der anderen Straßenseite, ein weiterer Bodenflügel als Pforte zur Fußgängerzone. Diese beiden Schwellen sind so errichtet worden, dass Fußgänger:innen eingeladen sind, darüber zu laufen. Diejenige vor dem Rathaus wird auch gerne als Skatelandschaft genutzt, was der Künstlerin entgegenkommt, jedoch von der Stadtverwaltung aus fehlenden Versicherungsgründen verboten ist.


Die zweite Schwelle ist mit einem Wasserspiel ausgestattet, was Fußgänger:innen eher abhält darüber zu gehen. Diese ist jedoch in den warmen Monaten immer hochfrequentiert von Kindern, die im und mit dem Wasser spielen und Abkühlung finden. Kunst zum Mitmachen.

Einweihung 14. Juni 2005
Dorothee Bielfeld (*1973) mit wbp Landschaftsarchitekten
Kurt-Schumacher-Straße
/ Otto-Wels-Platz

Schweinereien

In unmittelbarer Nähe befindet sich eine Gruppe von Bronzeschweinen.

Sie stehen unter einem Baum, den des leider in der letzten zeit sehr in Mitleidenschaft gezogen hat und wahrscheinlich gefällt werden muss. Der Künstler selbst hatte die Idee, die Gruppierung der Schweine mit viel Bäumen zu ergänzen. In der Besucher:innegruppe ist die Hoffnung nun, dass dieses nach der Fällung des Baumes umgesetzt werden kann. Alle waren sich einig, dass Bäume das Stadtbild positiv ergänzen. Neben den Schweinen steht eine Bank zum Ausruhen. Bespielt werden die Schweine von Kindern nahezu jederzeit, auch das ist so gewollt.


Die Kulturführerin spricht noch die wilder Pflanzung der Baumscheibe an, dort wachsen tatsächlich Kohl, Tomaten, Kamille und andere, wilde Kräuter. Jedoch sehr ungepflegt, und leider auch sehr kahl. Was sicherlich auch der Trockenheit der letzten Sommer geschuldet ist.

Aufstellung 3. Mai 1990 
Peter Lehmann (1921-1995) 
Otto-Wels-Platz

Gemeinsamkeiten

Weiter geht es in die Innenstadt. Kurz vor dem Glashaus steht die Skulptur Miteinander. In den Edelstahlstehlen sind Bronzefiguren männlich und weiblich in eine Richtung stehend eingearbeitet. Jeweils 2 Etagen pro Stehle.

Im Vordergrund die Stehlen mit den Bronzeskulpturen des Monuments Miteinander. Die Stehlen sind aus Stahl,  die Bronzeskulptutren sind männliche und weibliche Körper im Quadrat gesetzt, je 4 Stück pro Reihe, das Ganze je 2 Mal. Im Hintergrund ein Teilausschnitt des Glashaus Herten, in dem sich die Bibliothek befindet sowie die Rotunde für Veranstaltungen
Miteinander

Die Bronzefiguren sollen einen Miteinander darstellen, auch wenn sie scheinbar bewegungslos dastehen. Das soll Denken und Assoziationen beim Betrachten hervorrufen und ist für viele Interpretationen offen …


Aufstellung 3. August 1999
Heinrich Brockmeier (*1938)
Hermannstraße/Ecke Jakobstraße

Klangspiel

Direkt hinter dem Glashaus, leider etwas versteckt, aus der „normalen“ Bewegungsroutine der Innenstadtbesucher:innen, liegt ein schöner Platz. Hier ist der Summstein verortet. Dieser fast 5 m hohe Stein hat 2 runde Aussparungen. Steckt man hier seinen Kopf hinein kann man das Summen des Steins hören.

Simmstein im Platz hinter dem Glashaus.
Summstein


Ein an sich wunderschönes Plätzchen in Herten, welches jedoch zu völligem Unrecht sehr niedrich frequentiert wird. Wir bemängelten hier vor allem, dass der Platz sehr verwahrlost ist, direkt hinter dem Kunstwerk befinden sich Mülltonnen, die dort nicht hingehören sollten. Ebenso ist der Platz im Allgemeinen sehr vermüllt.

Überfüllte Mülltonnen direkt hinter dem Kunstwerk Summstein
Mülltonnen hinter dem Kunstwerk sollten dort nicht stehen

wild ausgelegter Müll auf dem Platz hinter dem Glashaus
…vollgemüllt

Aufstellung 1994
Hugo Kükelhaus (1900–1984)
Innenhof des Glashauses (Hermannstraße 16/Jacobstraße)

Sankt Antonius und die Schweine

Wir gehen weiter zum nächsten Kunstwerk in der Hertener Innenstadt. Wieder treffen wir auf Bronzeschweine. Derselbe Künstler hat sich mehrfach verewigen können. Liebevolles Detail kann man erst ertasten, zum Teil gar nicht auf dem ersten Blick sichtbar sind in die Skulpturen eingearbeitete Herzen jeweils am rechten Ohr. Kunst zum Anfassen.

Eine Gruppe Teilnehmer:innen vor dem Denkmal Sankt Antonius, im Vordergrund eine kleine Schweineherde aus Bronze. Links eine Eisdiele mit Außenbestuhlung
Schweineherde vor Sankt Antonius
Im jeweils rechten Ohr der Bronezschweine hat der der Künstler ein Herz eingearbeitet, hier das Ohr mit dem Herzen zu sehen
Liebevolle Kunsterfahrung: Skulpturen zum Anfassen und Ertasten


Diese Schweinefamilie steht in unmittelbarer Nähe zum Antoniusdenkmal. Umgangssprachlich gerne „Schweinehirte“ genannt. Sankt Antonius gilt als Schutzpatron gegen Seuchen und Viehkrankheiten.

Aufstellung 1903
Wilhelm Bolte (1859-1941)
Kranzplatte

Aufstellung 9. September 2010
Ekkhard Arens (*1957)
Kranzplatte

Brunnen ohne Wasser

Wir begeben uns ein paar Schritte weiter. Dieser Brunnen hat sein Erscheinungsbild schon häufig gewechselt. Lediglich die Säule ist als Kunstwerk erhalten geblieben.

Brunnensäule
Brunnensäule

Aktuell wird hier aus gesundheitlichen Gründen auf Wasser verzichtet. Ich kennen die Brunnensäule noch mit mit einem einladenden Brunnen, in dem vor allem (auch meine) Kinder gerne gespielt haben.
(Dort wo jetzt ein Bäcker ansässig ist, habe ich vor Zeiten mal meine Ausbildung zur Reiseverkehrskauffrau im Verkehrs- und Reisebüro Herten gemacht. Nach meinem IATA Diplom habe ich dort bis kurz nach den Anschlägen auf das World Trade Center am 11.09.2001 gearbeitet … )

Aufstellung 5. September 1979
Waldemar Wien (1927-1994)
Ewaldstraße/Kranzplatte

Entlang der Ewaldstraße

Tiefer in den Süden der Ewaldstraße gelangen wir zu einer weiteren Brunnenlandschaft. Das Kunstwerk Lesender sitzt hier wie beiläufig auf dem Brunnenrand und ist vertieft in sein Buch.

Bronzeskulptur Lesender, das Kunstwerk stellt einen sitzende Mann dar, der in der linken hbf ein Buchhhält in dem er liest, die rechte Hand ist zum Kopf geführt. Er sitzt auf gepflastertem Wall.

Vielen Teilnehmerin:innen fällt vor allem auf, dass dieser Teil der Innenstadt verwahrloster und scheinbar sehr vernachlässig ist. Neben der Eisdiele Calamini, einem syrischen Obsthändler und dem Café Europa ist hier nur noch ein kleines Stadtteilbüro ansässig.

Menschengruppe vor dem Aktionsraum
Diskurs vor dem Stadtteilbüro


Auch rund um den Brunnen ist die Bepflanzung arg ungepflegt. Wir geraten in ein intensives Gespräch ob des Standortes, der Leere, Angstraum, was können wir selbst tun?

Tipp: Gegen den Müll gerne auch mal einen Müllpicker in die Hand nehmen. Da das Stadtteilbüro in unmittelbarer Nähe ist, auch gerne dort einmal hingehen und die Situation ansprechen. Aktuell ist mit dem Neustart Innenstadt ein Team ansässig, dass sich u.a. um die Wünsche, Bedürfnisse und Anregungen der Anwohner:innen und Besucher:innen kümmert.

Aufstellung 3. Dezember 1984
Heinrich Brockmeier (*1938)
Place d’Arras

Nun sollen wir zu dem letzten Standort unseres kleinen Exkurses kommen. Entlang des Pastoratsweg, der von der Ewaldstraße zum Marktplatz führt, kommen wir auch an dem Gebäude der Waldritter vorbei. Die Seiten und der Rückseite des Gebäudes, das die Waldritter vor einigen Jahren sanierten und u.a. mit der Ludothek bezogen haben, sind mit Murals verziert.

abstraktes Mural in Grautönen, es sind Wolken, Pflanzen und Steinböcke dargestellt, einziger Farbtupfer ein Kreis / Lollie, Ballon in Türkis
Ausschnitt aus dem Mural an der Seite des Gebäudes der Ludothek der Waldritter

Über den Markplatz gelangen wir an der Antoniuskirche vorbei zu deren Vorplatz. Dort steht die Skulptur Mädchen mit Taube. Aktuell sogar mit Maske …

Bronzestatue Mädchen mit Taube in der rechten Hand. hier wurde eine chirugische Maske umgebunden ... im Hintergrund Sträucher und Gebäude
Mädchen mit Taube und Maske

Entwurf 1986 /Auftragserteilung 1989/Aufstellung 1990
Annette Wittkamp-Fröhling (*1946)
Antoniusplatz/Ecke Antoniusstraße

Der Weg dorthin führte uns an den Gärten der Antoniusgemeinde vorbei. Hier haben Kinder und Jugendliche an unterschiedlichen Plätzen rund um die Kirche Bepflanzungen vorgenommen. Mal in den Baumscheiben, aber auch Paletten wurden für frisches Grün genutzt. Wir Teilnehme:innen des Rundganges haben dieses mit großem Wohlwollen zur Kenntnis genommen. Eine tolle Idee.

In einer Nische seitlich der Sankt Antoniuskirche sind 2 Platten mit Pflanzen bepflanzt worden.
Gärten an der Antoniuskirche

Eine weitere Kunstaktion – auch wieder durch die Waldritter durchgeführt – und vom Stadtteilbüro mit Förderung umgesetzt, sind geschmückte Bäume. Diese konnten wir auf dem ganzen Weg durch die Innenstadt bestaunen.

Blick auf einen Baum mit an Seilen hängenden Vogelhäusern, im Hintergrund die Antoniuskirche
Häuschen am Baum an der St. Antoniuskirche
Baum inmitten des Pace d' Arras mit hängenden Beschmückung
Beleuchtung am Baum – Baumkunstwerk der Waldritter Place d‘ Arras

Der Abschluss der Rundganges wurde im Rathauscafé mit Gesprächen über das Gesehene bei Getränken und kulinarischem Beiwerk gehalten. Schön, dass das Wetter herrlich war, bei bestem Sonnenschein durften wir diesen Rundgang begehen und man konnte letztendlich noch etwas draußen sitzen.

Lerne deine Stadt kennen

Es ist eine interessante Neuerfahrung, die eigenen Heimatstadt mit einer anderen Sicht – hier auf die Kunstwerke – zu begehen. Tagtäglich gehen, hasten, wir durch sie hindurch ohne Blick auf die Kunst im Öffentlichen Raum.
Gerne bewegen wir uns in die Ferne, um Kulturreisen zu machen und Sehenswürdigkeiten zu bestaunen. Dabei vergessen wir, dass auch unsere Heimatstadt / Heimatstädte ebenso Sehenswertes darbieten.

Wenn ich nochmal kurz auf mein IATA Diplom zurückkommen darf: Diese weltweite Weiterbildung bildete damals (2000) ausschließlich zwei (2) touristische Sehenswürdigkeiten Deutschlands ab. Beide im Süden der Republik. Dabei hat Deutschland so viele Sehenswürdigkeiten und kulturelle Orte anzubieten. Besonders auch das Ruhrgebiet mit der Industriekultur, aber auch anderer Landmarken und Kunst im Öffentlichen Raum. Ich hoffe sehr, dass das Schulungsmaterial ausgiebiger und der Anspruch auf Vielfalt der IATA in den letzten Jahren etwas wichtiger geworden ist.

Lasst euch auch inspirieren vom Angebot der Stadt Herten, diese und weitere Kunst im Öffentlichen Raum zu entdecken. Ich habe jetzt auf jeden Fall richtig Bock, selbst als KulTourbegleiterin zu agieren. Wer mag, darf sich gerne melden. Ob als Gast oder als Veranstalter:in: ich bin bereit.

Stonehenge

Wie ich beinahe an einem interessanten SocialMediaWalk teilgenommen hätte, es aber in der letzten Minute verkaxxte. Shitty.

Das LWL lud zum SocialMediaWalk durch die neue Ausstellung Stonehenge ein. Ich bewarb mich und durfte teilnehmen.
Freude! Als England-Liebhaberin und den in meiner Kindheit durch einen im Garten gefunden englischen Penny geprägten früheren Berufswunsch, Archäologin zu werden, ein Traum! Habe Stonehenge leider nie besucht, meine bisher einzige Reise nach England führte mich an die Ostküste. Aber eines Tages …

Stonehenge im LWL Museum

Heute ist also der Tag. Alles ist fein vorbereitet, frisch geduscht versteht sich von selbst. Nägel lackiert, weil abgetragen (würde aber zu Archäologie passen …). Rucksack gepackt, ein Buch für die Bus- und Zugfahrt eingesteckt (Maja Göpel „Unsere Welt neu denken“), Akku geladen, ÖPNV-Verbindung rausgesucht.
Auf der Arbeit aufgehalten worden und leider etwas später Feierabend gemacht, guckte ich nochmal in die Mail und ERSCHRAK! Das kann doch nicht sein! Das schaffe ich jetzt nicht mehr! Leider ist man mit ÖPNV nicht so flexibel und schon lange nicht so schnell von HIER nach Dort, vor allem, wenn man HIER wohnt. HIER, wo die Verkehrsanbindung für KFZ mit mehreren Autobahnen hervorragend ist, alles andere aber eher ausbaufähig. Metropole Ruhr ist HIER noch nicht angekommen.

So schade!

Aber immerhin ist der neue S-Bahnhof in Arbeit und wird vielleicht auch bald eröffnet. Damit komme ich zwar nicht schneller nach Herne, aber dafür nach Essen/zur Arbeit/andere kulturelle Plätze, wie z.B. dem Folkwangmuseum.

Wie man auf Twitter sehen kann, ist der SocialMediaWalk im LWL-Museum für Archäologie in Herne in vollem Gange, ein Eichhörnchen ist auch dabei.

Archäologie im heimischen Garten

Als Kind habe ich beim Spielen mit meiner Barbie im heimischen Garten bzw. hinterm Haus, wo damals noch ungefiltert und ungeklärt die Abwässer der Waschmaschine abgeleitet wurden und in den Boden versickerten, eine britische One-Penny-Münze gefunden. Ich wollte wohl ein Flussbett anlegen und habe etwas gegraben, eher oberflächlich. Dabei kam die Münze zum Vorschein. Seit dem wollte ich Archäologin werden.

Abbildung einer one Penny Münze von 1914
One Penny 1914 United Kingdom


Ich habe mich oft gefragt, wie diese dort hinkam. Meine Großeltern haben damals aus der Not heraus, als es in den Nachkriegsjahren nicht so viel Wohnraum gab, wie viele andere, in den Schrebergärten gewohnt und nach und nach dort ein Haus errichtet. So ist nach und nach eine ganze Siedlung entstanden, in der ich und viele andere Kinder ihre Kindheit und Jugend verbringen konnten.
Später wurden wir alle umgesiedelt und verloren ein gutes Stück Heimat. Einziger Trost: die Halde Hoheward ist heute ein beliebter Ausflugs- und Naherholungsort. Mit wunderbarer Sicht auf das Revier.

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben

Nun, letztendlich war ich doch recht zeitnah im LWL Museum für Archäologie in Herne und habe mir mit Töchterchen und Freundin die Ausstellung Stonehenge angesehen.
Überragend die originalgroßen Monolithen, unvorstellbar, wie diese transportiert und an- und ausgerichtet wurden. Hierzu gibt es ausführliche Erklärungen. Interessant, wie die Steinkreise entstanden sind, wie viel Leben und Aktionen drumherum entstanden und vergingen. Über 4000 Jahre vor Christus, in der Jungsteinzeit entstanden, ist dieses Bauwerk heute zwar nur noch eine Ruine. Bemerkenswert jedoch, dass dort und in der näheren Umgebung immer wieder neues Altes entdeckt wird. Grabbeigaben aus Gold, Bronze, die den Reichtum der Toten zeigen oder deren Stand in der Gesellschaft. Parallelen zu anderen Gräbern und Kulturen, wie etwa in Deutschland im Kreis Borken, Nottuln oder Höxter.

Ein Tastmodell der Stonehenge Steinkreise aus Bronze
Tastmodell Stonehenge

Und letztendlich in die Neuzeit, bzw. in unsere Gegenwart mit Bezug auf – TADAAA – den Obelisken und die Horizontbögen meiner Heimatstadt auf der Halde Hoheward. Dieses natürlich nicht als Grab (ausser der Erinnerungen vergangener Kindheit), sondern als sichtbare Orientierungspunkte.

Abbildung Horizontbögen Hoheward Herten
Hoheward
Text zur Megalithen, in dem auch auf die Landmarken Hoheward hingewiesen wird
Text zu Megalithen

Als Erinnerung habe ich ein paar Postkarten von Stonehenge und als Cartoons der Evolutionsgeschichte mitgenommen, die ich am Abend über Twitter verlost habe.

Postkartenbuch über Stonehenge und weitere illustrierte Postkarten zur Evolution, Cartoons

Somit hatten wir einen interessanten, wissensschöpfenden Tag, den wir mit einem Besuch der Herner Innenstadt in einer Eisdiele bei herrlichem Sommerwetter abrundetet.

Übrigens: Die Dauerausstellung ist ebenso absolut sehenswert.

Nächstes Mal geht es dann wohl nach Haltern.

(Bilder folgen, zur Zeit Herausforderungen mit dem Server)

Hoffnung

Hoffnung.
Ist ein Ziel.
Baut auf.
Bringt Enttäuschung.
Macht mutig. Und schön.
Läßt Kräfte wachsen. 
Träumen. Von Zukunft.

Hoffnung.
Ein Anker. Aus der Luft gegriffen.
Ins Blaue gedacht.
Motivator. 
Und ein vermeintlich sicherer Hafen.

Hoffnung.
Darf man teilen. 
Geben. 
Nicht nehmen.
Verbundenheit und Rücksicht nähren sich davon. 
Wachsen.

Hoffnung.
Wie ein Werkzeug,
das repariert.
Ein Gutes Gefühl in dunklen Zeiten. 
Für Mehr. 
Mehr Menschlichkeit. 

Wahre Liebe – von Buchstaben

Sie sind alle unterschiedlich, es gibt dicke, dünne, schmale, hohe, gedrungene, ausladende, große, kleine. Und doch sind alle gleich:
Sie sprechen mit uns. Sie erzählen Geschichten. Sie haben Geschichte geschrieben. Ägypter, Phönizier, Römer, Karolinger …
Sie sind zauberhaft, geheimnisvoll und doch alles-sagend. Sogar wenn sie gar nicht da sind, sagen sie etwas aus.
Buchstaben.
Lettern.
Dufte Typen.

Ich liebe sie. Ihre Formen, ihre Vielfalt. Ihren Anmut.

Nimm eine Serifenschrift, z.B. die Times. Eine gerade Linie aufwärts. Verdickt abwärts. Sanfte Kurven in den Serifen. Von Nahem betrachtet eine schöne Schrift.

Ich bevorzuge jedoch serifenlose Schriften. Klare Linien, einheitliche Strichstärke, Eleganz. Die Gill Sans. Eine serifenlose Linear-Antiqua, zwischen 1928 und 1930 von Eric Gill entworfen. Für mich ist sie einfach nur schön.

Mein liebster Buchstabe ist das kleine g. Verspielte Bögen, die jedoch rein geometrisch erstellt sind. Nimm dir eine Lupe und verliebe dich! Schöne Rundungen, schlank und anmutig.

Buchstaben sind mehr als Zeichen. Wie filigrane Schmetterlinge fliegen sie über das Blatt Papier/den Monitor. Heben und senken ihre Flügel, setzen Worte, Sätze und ganz Abschnitte. Kapitel und Bücher entstehen. Was liest du gerade? Schau dir die Schrift an. Passt die benutze Schrift zur Stimmung des Buches oder Textes? Wie empfindest du die einzelnen Buchstaben? Sind es nicht richtige Kunstwerke? Funktionell und schön zugleich. Strich für Strich, mit oder ohne Füßchen, Rundungen, gerade Linien …

Punze. Was für ein toller Name. Punze ist die Bezeichnung für Buchstabeninnenräume. Kaum ein Buchstabe hat keine Punze. Sie sind wichtig. Sie halten den Buchstaben zusammen, wie die Löcher den Käse.

Wie sagt man so schön? „Bilder sagen mehr als tausend Worte.“ Worte rufen Bilder hervor. Was siehst du, wenn du das Wort „Zucker“ liest? Schmeckt es schon süß auf deiner Zunge? Siehst du die Kristalle glitzern? Und wie schmeckt dein Kaffee? Na, Appetit?
Semantische Typografie. Zeichen setzen. Worte finden.

Ich liebe sie alle. Die Arial, die Bauhaus, die Century Gothic, Courier, Didot, Garamond, Helvetica, Lucida, Myriad, Optima, Verdana …
Wahre Liebe, die mich ständig begleitet.

„Jedes Wort ist wie ein Kunstwerk und als solches einem lebenden Organismus ähnlich. Der einzelne Buchstabe trägt den Formwillen des Ganzen in sich, so wie jede einzelne Zelle um den Plan des Ganzen weiß. Der einzelne Buchstabe ist also Teil des gesamten Kunstwerkes und muss selbst sein wie dieses.“ Johannes Boehland, deutscher Maler und Grafiker.

In diesem Sinne: das Wort lebt!

Buchempfehlungen zur Typografie:

  • Die kleine Serifee: Eine märchenhafte Reise durch die Welt der Buchstaben. Hier lernt der Leser Schriften kennen und lieben. Auf der Suche nach dem verlorenen Flügel durchquert die kleine Serifee den Garamond-Wald, Futura-City und andere grafische Inszenierungen. Ab 8 Jahre, aber durchaus für ältere lesenswert.
    Renè Siegfried
    ISBN 978-3874396981
    Verlag Hermann Schmidt Mainz
    14,80 Euro

  • Zeichen setzen. Satzwissen und Typoregeln für Textgestalter
    Ralf Herrmann
    mitp
    ISBN 3-8266-1572-7
    22,95 Euro

  • Typografie kompakt. Vom richtigen Umgang mit Schrift am Computer.
    Geschichte, Einsatz, Tastaturbelegung unter Windows und Mac OS X.
    Max Bollwage
    x.media.press
    springer
    ISBN 3-540-22376-2
    22,95 Euro

(Ursprünglicher Beitrag vom 17.10.2013 auf Beschäftigungstherapie)

VHS Kurs WordPress

Aktuell findet der Workshop Bloggen Hertene auf Nachfrage online statt. Mindesteilnehmer:innzahl 2. Bitte anfragen unter manuelapotthast@kulturcontainer.de

Im Computerraum der VHS Herten / Bild von Maresa Kallmeier

Wir werden die Zoom eine Einführung in WordPress erarbeiten. Zugänge für vorab Angemeldete werden erstellt. Lesen könnt ihr uns unter Hertene

Vielen Dank für dein Interesse!

Frauenkulturtage Herten

In diesem Jahr finden die Frauenkulturtage unter besonderen Bedingungen statt. Nachdem Corona uns nun gut ein Jahr – vor allem auch im Kulturbereich – sehr stark einschränkt, wollen wir dennoch nicht darauf verzichten. Schon im letzten Jahr sind die meisten, lange Zeit voraus geplanten, Veranstaltungen abgesagt worden. In diesem Jahr haben wir uns entschieden, möglichst viele Programmpunkt digital stattfinden zu lassen, sollte eine Präsenz nicht möglich sein. So sieht es auch aktuell aus. Die Beschränkungen betreffen, berechtigt, auch die Veranstaltungen der Frauenkulturtage in Herten.

Wir starten digital.

Leselust und Lesefrust

Wie bereits angekündigt, ist das KreativQuartier Herten auch mit einem Beitrag dabei. Die kreative Schreiberin Claudia Heinrichs, die schon mit der Schreibwerkstatt einige Texte vorgetragen hat, hat das Hörspiel geschrieben. Mit Akteurinnen aus dem KreativQuartier Herten und einem männlichen Part, wird eine Geschichte erzählt, wie sie sich in Herten hat zutragen können.

Wir veröffentlichen das Hörspiel am Sonntag, den 21.03.2021 in einem Zoom-Meeting. Start ist um 11.00 Uhr. Der Link wird per E-Mail nach Voranmeldung versendet. Interessierte melden sich bitte unter manuelapotthast@kulturcontainer.de oder telefonisch unter 02366 58 96 800 oder per WhatsApp 0157 55 82 03 27

Wir freuen uns auf euch!

Weitere interessante Veranstaltungen sind im hinterlegten PDF zu buchen.
Viel Spaß bei den Hertener Frauenkulturtagen 2021

Programm Frauenkulturtage 2021

Schreibst du noch oder erzeugst du schon Bilder?

Wer viel mit Worten bewegen möchte, sei es, um einen vielbesuchten, lesenswerten Artikel im Blog oder eine Produktbeschreibung, Rezension oder auch „nur“ einen einfachen Kommentar schreiben zu wollen, darf ruhig mal auf seine Wortwahl achten. Lange, verzwickte, mit vielen Kommata und Verschachtelungen versehene Sätze, wie dieser, der als schlechtes Beispiel dient, sind nicht lesefreundlich und verwirren eher, statt zum Lesen zu animieren. Kurze, prägnante Sätze sind besser. Neben Keywords für die Suchmaschinenoptimierung gibt es Schlüsselworte, die bei dem Leser Bilder erzeugen. Hier geht es nicht (nur) um eine höfliche Wortwahl, sondern um die bewußte Nutzung von nachweislich positiv behafteten Worten. Es gibt zahlreiche Studien zu Wortassoziationen, negativen und positiven Ausdrücken und Worten, die Bilder entstehen lassen. Ein paar Beispiele: Anerkennung, beflügeln, danke schön, einladen, entdecken, kraftvoll, sattelfest, sparen, zusammen …

Denke positiv

Ebenso gibt es natürlich negative Begriffe, die man nicht verwenden sollte. Eine von Natur aus negative Aussage positiv zu gestalten ist eine Herausforderung, der man sich ruhig mal stellen darf. So sprechen wir viel zu oft von Problemen und nicht von den Möglichkeiten, etwas zu verbessern, über die Ausbaufähigkeit des Projektes, über Potenziale, die dort noch schlummern und genutzt werden können.  Zum Beispiel hat dein Geschäft an einem Tag verkürzte Öffnungszeiten, was schreiben wir? – Wir schließen heute um 12 Uhr. Warum? Warum nicht „Wir haben heute für Sie bis 12 Uhr geöffnet„? Zum einen wird eine Person (Sie) angesprochen und somit einbezogen und zum anderen gibt es hier eine eindeutige Positivaussage. Ist doch gar nicht so schlecht. Besser: ist doch toll!

Positive Worte werden mit Erfahrungen, Erlebten verbunden, negative ebenso. Unsere Gehirne haben Vernetzungen aufgebaut. Gerüche, Bilder, Worte, Orte, Farben, Musik – alles um uns herum wurde und wird gespeichert und mit Hilfe dieser Schlüssel (-bilder, erlebnisse, -gerüche …) abgerufen. Das hilft uns in allem, was wir tun und machen. Und darf auch ruhig genutzt werden. Mit Worten kann man beleidigen, das ist nicht schwer. Man kann mit Worten aber auch erfolgsversprechende Ergebnisse erzielen. Manipulation? Natürlich! Ein netter Gruß an den Nachbarn, den Kollegen, die Kioskbesitzerin zaubert ein Lächeln auf deren Gesichtern. Ist das verwerflich?

Do you know what I mean?

Heute wird ganz viel mit Fremdwörtern, Fachbegriffen  und Abkürzungen geredet und geschreiben. Das sagte letztens der (Deutsch-)Lehrer meines Sohnes, dass bald die ZP anstehen. Nun wusste ich aus den Erzählungen meiner Kinder schon von dessen PT und konnte mit ein paar Gedankenwirrungen erraten, was der Lehrer meinte: ZP = Zentrale Abschlußprüfungen. (PT heißt persönliche Tasse). Gut. Ist ja nicht schlecht, wenn man sein Hirn mal ein bisschen trainiert, aber ich hatte Vorkenntnisse, die vielleicht andere Gesprächsteilnehmer nicht hatten. Vielleicht wissen die bis heute nicht, was auf ihre Kinder zukommt …
Wenn man also nicht unbedingt immer mit einem Abkürzungs-Wörterbuch herumlaufen möchte, sollte man entweder alle Abkürzungen auswendig kennen, oder das Gegenüber darauf verzichten. Das kann auch ganz peinlich sein. Wenn man nämlich was ganz anderes dahinter erwartet hat, reden die Gesprächsteilnehmer aneinander vorbei. Bei Fachbegriffen, die man den Mann oder die Frau bringt, ist es ähnlich. WYSIWYG – für Internetmacher ein eindeutiger Ausdruck (eher eine lange Abkürzung), für Unbedarfte – dein Kunde z.B. – der reine Wahnsinn. Es ist toll, wenn man seine Fachbegriffe beherrscht, weiß, wovon man redet. Einen Text allerding mit Fremdwörtern zu spicken, die der Leser erst übersetzen muss, ist nicht hilfreich. Ich möchte hier nicht andeuten, dass ich den/die Leser für dumm erkläre. Wenn du z.B. deine Steuerklärung machen musst, oder irgend ein anderes, behördliches Formular ausfüllen darfst, sind dir manche Formulierungen nicht sofort schlüssig. Das liegt sicher nicht an deiner noch ausbaufähigen Bildung (also an deinem fehlenden Wissen), sondern daran, dass diese Begrifflichkeiten und Formulierungen nicht zu unserem Standard-Sprachgebrauch gehören. Nun haben Behörden es nicht nötig, ihre Benutzerfreundlichkeit, entschuldigung, Lesefreundlichkeit, zu verbessern, sie werden auch nie einen Preis für gute Texte gewinnen. Aber du hast den Anspruch, dass deine Leser, deine Kunden, die Empfänger deiner Mitteilungen, dich verstehen. Mit Worten spielen, Beziehungen aufbauen, Verknüpfungen hervorholen und enstehen lassen. Sprich nicht von gutem Wetter, sondern von strahlendem Sonnenschein bei hellblauem Himmel!  Wäre doch schön, wenn dein nächster Steuerbescheid mit den Worten „Wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu dürfen, dass Sie mit 1.269 Euro Steuern die Projekte des Bundesregierung unterstützen können“ … Okay, das wird nie passieren, würde deinen Bescheid aber viel netter gestalten. Und du wärst nicht gleich so überrascht, dass du doch mehr verdient hast, als du vor der Steuererklärung noch dachtest.

High Technology

Beschreibe mal dein Auto, als würdest du eine Werbeanzeige schalten wollen. Was, denkst du, ist deinem potenziellen Kunden wichtig? 250 PS, 3l, Direkteinspritzung, 16 V, mittelgroße Maschine – hääääää? Ich als absolut Technik resistente Frau verstehe gar nichts.  Cooler Flitzer für viel Aufsehen – das kann ich verstehen und wäre auch interessiert. Okay, du willst dein Auto nicht an mich verkaufen, sondern an meinen Mann, dem Technik-Freak? Tut mir leid, ich habe ein Mitspracherecht und bin – wäre ich Hausfrau – diejenige, die am häuftigsten mit deiner Werbung konfrontiert wäre. Wie, bitte schön, soll ich meinen Mann erzählen, dass ich da ein richtig geiles Auto gesehen habe? Verstehst du? Würde mein Mann deine Werbung sehen, würde er es auch mit anderen Worte an mich transportieren, nämlich, dass ich schnell damit in den Urlaub komme, der Kofferraum riesig ist, für tolle Shopping-Touren und meine Mädels und ich mal richtig aufdrehen könnten. BOAR! Und schon sind wir drei zufrieden. Du, mein Mann und ich. Klasse, so einfach macht man Menschen glücklich.

Was nicht bedeutet, dass technische Einzelheiten nicht aufgeführt werden dürfen. Doch, aber an anderer Stelle, gekennzeichent als solche. Der Haupttext befasst sich nur mit Komplimenten an den Leser.

Spiele mit Worten, erstelle dir eine positiv-negativ Liste. Was macht dich froh, verbreitet Freude, bringt Licht ins Dunkle? Wie kann man grün, rot, gelb umschrieben? Die rote Ampel, an der du stehen bleiben musstest. War da nicht deine Traumfrau, die über die Straße ging? Lasse Bilder entstehen. Bringe Schokolade mit Worten zum Schmelzen, musiziere mit Text.

Sicherlich manches Mal eine echte Herausforderung, die dann absolut gute Erfahrungen einbringen.

In diesem Sinne: viel Erfolg.

Lesenswert ist auch dieses PDF Besser schreiben von Aurel Gergey.

(Überarbeiteter Text, Erstveröffentlichung 14.01.2006 auf www.beschäftigungs-therapie.de)